Auf den Spuren der Römer
und der Holsterhausener Geschichte...

 
 

Die Römerroute von Haltern nach Xanten nutzt zwischen Haltern und Wesel zum größten Teil die ehemalige Bahntrasse. Die Bahnverbindung von Haltern über Wesel nach Venlo wurde 1874 eröffnet – hatte aber nur ein vergleichsweise kurzes Leben. Bereits in den 1960er Jahren wurde der Personenverkehr eingestellt, danach in mehreren Schritten auch der Güterverkehr. Das letzte Teilstück zwischen Haltern und Hervest-Dorsten wurde 1988 geschlossen. Seitdem rottete die Bahntrasse vor sich hin. Zum Glück hat diese historische Strecke jedoch ein zweites Leben – dieses Mal als Rad- und Wanderweg. Der Regionalverband Ruhr begann in den 1980er Jahren mit seiner Römer-Route. Wie einst die römischen Legionäre Germanien durchquerten, dabei Halt machten in Haltern oder auch in Xanten, sollen nun Wanderer und Radfahrer zwischen diesen beiden Städten und ihren Römer-Museen pendeln können.

 

Unsere kleine Tour beginnt an der Borkener Straße, eine sanfte Rampe führt auf den ehemaligen Bahndamm. Blickt man nach Osten (Foto), dann liegt irgendwo am Horizont Haltern. Über die jetzt geplante Brücke über die Borkener Straße geht es am Wohnhaus rechts vorbei über die Fläche des ehemaligen Güterbanhofes bis zur ehemaligen Zechenfläche Fürst Leopold – das ist der nächste Bauabschnitt.

 

Mit westlichem Kurs geht es weiter. Ganz bequem – der Radwanderweg ist breit genug auch für entgegen kommenden Verkehr. Und die Steigung beträgt maximal 2 % - mehr ist für Lokomotiven nicht zulässig. An der ersten Kreuzung (Knappenweg, am Sportplatz) lohnt ein erster Halt. Zur Erinnerung an die alte Bahnstrecke liegen hier Reste eines Gleises. Daß mittig darin ein Baum gepflanzt wurde, muß nicht weiter stören, der steht keiner Lok mehr im Wege. Für den müden Wanderer oder Radler gibt es Bänke – und eine Gedenktafel des ökumenischen Geschichtskreises Holsterhausen erinnert an ein trauriges Stück Dorstener und auch Weltgeschichte. Im zweiten Weltkrieg wurde die Bahnlinie nämlich genutzt, um Waffen, Munition und Soldaten zu transportieren. Am 12. März 1945 wurde ein solcher Zug angegriffen, 70 Soldaten verloren dabei ihr Leben.

 

Weiter geht es in Fahrtrichtung Schermbeck. Links sieht man dann und wann einmal die Firmengelände an der Baldurstraße, rechts blickt man in die großen und schönen Gärten der alten Steiger-Häuser an der Holtstegge. Wie so viele andere Städte im Ruhrgebiet auch ließen die Zechen Holsterhausen rasch wachsen – und die besser verdienenden Zechensteiger hatten hier ihr Domizil. Linker Hand sieht man dann und wann einmal die alte Kohlenwäsche der ehemaligen Zeche Baldur, die bereits in den 1930er Jahren geschlossen wurde.

 

Wer mit kleinen Kindern unterwegs ist, muß gleich den nächsten Stop einlegen: Ein Spielplatz (Foto rechts) lädt zum Verweilen ein. Wenige Meter hinter dem Spielplatz kommt die nächste Kreuzung – der Rad- und Wanderweg entlang des ehemaligen Hammbaches. Von hier aus geht es nach Süden zur Lippefähre Baldur und nach Norden bis zur Juliushalle.




Wer diese Kreuzung passiert hat, der hört als Nächstes: Gekacker. In einem Garten laufen Hühner herum und legen bestimmt glückliche Eier. (Foto links)

 

Wenige Meter weiter wird es spannend – der Radwanderweg kreuzt die Baldurstraße. Wie früher die Eisenbahnen haben auch heute die Radler Vorfahrt vor den Autos. Die Baldurstraße ist an dieser Stelle verengt, Schilder weisen auf querende Radler hin. Vorfahrt hin, Vorfahrt her – Radler sollten hier langsam fahren und die Autos genau im Auge behalten – ihre Knautschzone ist verdammt dünn.

 

Nur ein paar Radumdrehungen weiter kommt die Siedlung Kreskenhof. Hier lagerten von rund 2000 Jahren die Römer auf ihrem Eroberungsfeldzug nach Germanien. Römische Überreste wurden bereits in den 1920er und 1930er Jahren gefunden. Am Kreskenhof wollte der Landschaftsverband Westfalen-Lippe in den 1990er Jahren eine forensische Klinik errichten, nach breitem Widerstand der Bevölkerung gab der LWL seine Pläne auf, es entstand die Wohnsiedlung Kreskenhof. Bei ihrem Bau wurde weitere römische Überreste gefunden. An die Römerzeit erinnert die Geschichtsstation, die von Schülerinnen und Schüler des Gymnasium Petrinums gestaltet und im Mai 2010 eröffnet wurde.

 

Daß Neubaugebiete nicht langweilig aussehen müssen, davon können sich Wanderer und Radler auf der Weiterreise überzeugen. Am Kreskenhof sieht wirklich nicht jedes Haus gleich aus, vielmehr wurde doch recht individuell gebaut. Am Ende der Siedlung gibt es dann eine weitere Infotafel (Foto rechts) – hier gibt es die Geschichte des Kreskenhofes im Schnelldurchgang zu lesen.

Weiter geht es in Richtung Schermbeck – die Reise endet im November 2011 noch an einem Bauzaun (Foto links). Auf Schermbecker Gebiet wurde 2010 mit dem Bau des Radwanderweges begonnen, die Arbeiten stehen kurz vor der Vollendung. Wer weiter nach Westen radeln oder wandern möchte, muß seine Reise nun über die benachbarte Hagenbecker Straße fortsetzen.


Zum Schluß noch eine Nachbetrachtung mit den Augen eines Kommunalpolitikers: Als Ratsfrau, als Ratsherr kann man sich nur wundern. Da werden für rund 1,5 Mio. Euro 800 m Rad- und Wanderweg gebaut. Und das in Zeiten leerer öffentlicher Kassen. Möglich ist das nur, weil der RVR der Bauherr ist. Wollte die Stadt Dorsten einen Radweg bauen, würde sie als Nothaushalts-Kommune nicht mal einen Meter bauen dürfen.
Für die Kommunalpolitik sieht die Lage sehr viel trister aus: Da geht es längst nicht mehr um neue Radwege, da geht es zum Beispiel um nicht mehr funktionierende Heizungen in Grundschulen, wie zuletzt in der Bonifatiusschule. Und selbst für derart dringende Reparaturen fehlte lange das Geld, erst das Konjunkturpaket II sorgte dafür, daß die Schülerinnen und Schüler in der Bonifatiusschule wieder im Warmen lernen konnten.
Gleichwohl ist dieser Rad- und Wanderweg ein sinnvolles Projekt. Es wird in die Infrastruktur investiert, davon profitieren auch am Bau beteiligte Firmen. Und die Stadt Dorsten wird an den Tourismus angeschlossen, denn eines ist sicher: Der Rad- und Wanderweg wird von Erholungssuchenden angenommen. Und der eine oder andere Tourist wird dabei auch in Dorsten Station machen.

 

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