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Dieter Grasedieck: Ein SPD-Abgeordneter
resozialisiert einen Ex-Extremisten


Der junge Mann, der vor einigen Monaten ins Wahlkreisbüro des nordrhein-westfälischen Bundestagsabgeordneten Dieter Grasedieck (SPD) kam, redete nicht lange herum. Sein Name sei Oliver Westerwinter, sagte er, und er würde gerne ein Praktikum im Berliner Büro des Abgeordneten machen. Es geben nur ein Problem: seine Vergangenheit.

Kein kleines Problem, dabei ist er doch erst Anfang zwanzig. Denn Westerwinter war früher bei den rechtsextremistischen Jungen Nationaldemokraten, der Jugendorganisation der NPD. Nicht einfach nur Mitglied, sondern als Landes- und Bundessprecher in herausgehobener Position. 2004 stieg er aus.

Ein ehemaliger Rechtsextremist als Praktikant eines Parlamentariers? Es läge nahe zu vermuten, dass eine solche Person, geläutert oder nicht, einem SPD-Mann nichts in Büro kommt.

Doch bei Grasedieck ist das anders. Ein Schwerpunkt seiner Wahlkreisarbeit ist die Ausbildungsförderung für junge Leute. Er selbst hat schon viele Praktikanten akzeptiert. Mehr als 250 Jugendliche, sagt der Abgeordnete, hätten mit Hilfe von Vereinen in Bottrop und Gladbeck, die er unterstützt, Ausbildungsplätze gefunden. Und einen jungen Mann der Starhilfe für ein neues Leben sucht, sollte er einfach abweisen?

Grasedieck zog Erkundigungen in Westerwinters Universität in Münster und beim Verfassungsschutz ein. Die Auskünfte stellten ihn zufrieden, der Abgeordnete sagte zu. Nun muss er sich aus der Antifa-Szene Vorhaltungen machen lassen, die (freilich ohne dafür Beweise zu liefern) an Westerwinters Ausstieg aus der rechtsextremen Szene zweifeln.

Doch Grasedieck ist zufrieden mit seinem Ex-Extremisten. Er lobt dessen Fähigkeiten, logisch und strukturiert zu arbeiten. Auch sonst hat er seine Entscheidung nicht bereut: "Er hat früher Fehler gemacht, gar keine Frage. Aber er hat sich eingesetzt. Und die, die sich absetzen wollen, welche Chance haben die denn dann noch im Leben? Die brauchen doch eine Perspektive."

Quelle: DIE ZEIT Nr. 16, 12. April 2006

 

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